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Das Ende des Einsatzjahres

Irgendwie vergeht die Zeit im Einsatzjahr rasend schnell. Gefühlt gestern erst war die 2. Prüfungslehrprobe und damit der zentrale Meilenstein im Einsatzjahr und jetzt ist auch das zweite Einsatzhalbjahr schon komplett vorbei – verrückt. Aber entsprechend ist es auch Zeit ein wenig zurückzublicken auf die vergangenen 6 Monate an meiner zweiten Einsatzschule. Es war wieder eine interessante Zeit in der ich sehr intensiv mit drei Klassen arbeiten durfte. Besonders spannend war es dabei Mathe in der 7. Jahrgangsstufe parallel in zwei Klassen zu haben. So konnte man die individuellen Stärken und schwächen einzelner Klassen noch besser wahrnehmen. Zugleich bot es die Möglichkeit schnell Dinge an einer nur halb gelungenen Stunde zu verändern und die adaptierte Version direkt in einer zweiten Klasse auszuprobieren. Das empfand ich als wirklich hilfreich für mich persönlich und sowas sollte jedem Referendar ermöglicht werden. Und natürlich ist eine solche Konstellation in besonders arbeitsreichen Phasen auch eine kleine Entlastung, da man Planungen zumindest teilweise doppelt nutzen kann.
Der Physikunterricht ist für mich persönlich natürlich immer besonders spannend und hier konnte ich in diesem Halbjahr auch auf eine sehr gut ausgestattete Sammlung zurückgreifen. Zugleich habe ich mich auf das an der Schule gepflegte Konzept des Unterrichtens mit einem Skript eingelassen. Ich gebe zu, ich bis bisher noch nicht richtig warm geworden damit, was aber nicht unbedingt am Skript liegen muss, sondern auch damit zu tun haben könnte, dass ich persönlich ein solches Setting nur bei digitalerem Arbeiten wirklich sinnvoll fände. Zu schätzen gelernt habe ich in jedem Fall die tolle Zusammenarbeit mit den Kollegen, wo Materialien einfach und unkompliziert geteilt werden und man oft gemeinsam an Versuchsaufbauten bastelt und optimiert. Das erhöht den Spaß ganz eindeutig!
Ich hatte glücklicherweise zwei sehr offene, engagierte Betreuungslehrkräfte, von denen ich insbesondere bei der Erstellung von Exen und Schulaufgaben und bei den Korrekturen viel Unterstützung erfahren habe. Und trotzdem muss ich als Fazit aus dem Einsatzjahr mitnehmen, dass mir persönlich hier der Ausbildungscharakter ganz eindeutig zu kurz kommt. Dies ist übrigens nicht als Kritik an den Betreuungslehrkräften zu sehen, sondern an den Strukturen. Die Betreuungslehrkräfte investieren viel Zeit in die Besprechung von Exen und Schulaufgaben und eine entsprechende Nachkontrolle der Korrekturen, ohne dafür wirklich was zu bekommen. Grundsätzlich sind im Einsatzjahr im Prinzip keinerlei Hospitationen bei anderen Lehrkräften verpflichtend vorgesehen, keinerlei Projekte, keinerlei Teamwork. Nichts muss irgendwie gemacht werden, sondern als Referendar muss man praktisch einfach im Schulalltag alleine und selbstständig bei 17 Unterrichtsstunden überleben. Das ist meiner Einschätzung nach keine zielgerichtete Ausbildung, sondern weitgehend einfach nur der Wurf ins lauwarme Wasser (man hatte ja vorher ein Seminarhalbjahr). Und jetzt zurück am Seminar sollen wir praktisch schon fertige, mehr oder weniger perfekte Lehrkräfte sein – ich fürchte die Rechnung geht nur bei einigen Referendaren auf. Aus meiner Sicht sollte im Einsatzjahr mehr Wert auf ausbildende Experimente gelegt werden. So könnte man z.B. zumindest für einzelne Stunden Lehrtandems bilden, feste Unterrichtshospitationen einplanen oder auch mal die Durchführung von Projekten einfordern und unterstützen. Der Horizont der Referendare muss im Einsatzjahr deutlich erweitert werden – wenn man aber nur damit kämpft 17 neue Stunden pro Woche von Null an zu planen, dann verfällt man relativ schnell in 0815-Standardunterricht, der auch mal gut ist, aber auf Dauer den Horizont kaum erweitert, sondern eher einengt.
Zum Abschluss noch was positives zum Einsatzjahr: Man fühlt sich hier echt als wirklicher, voller Teil des Kollegiums, quatscht mit den Kollegen über Gott und die Welt, lacht gemeinsam, unterstützt sich gegenseitig und kotzt sich auch einfach mal beim anderen aus, wenn es gerade zu viel wird. Das macht Lust auf die Zeit nach dem Referendariat. Und für das Lehrerego gibt es grundsätzlich wohl kaum was besseres, als eine Schule zu verlassen. Man bekommt so viele Komplimente von Klassen, Schülern und Kollegen, dass tut der Lehrerseele ziemlich gut. Und trotzdem ist das Abschiednehmen auch irgendwie schwer, denn man hat eben auch Klassen lieb gewonnen, arbeitet gerne mit ihnen und kann jetzt eben nicht mehr mit einem Lächeln in diese Klassen gehen, weil man wieder an einer anderen Schule ist und neue Klassen unterrichtet und neue Schüler kennenlernen muss und kennenlernt.
So, und morgen geht es jetzt wieder zurück an die Seminarschule – bei mir auch mit einem neuen Seminarlehrer. Ich freu mich riesig mein tolles Seminar wieder zu sehen, ich freue mich weniger, dass dann schon sehr bald die ersten Prüfungen anstehen, und ich bin sehr gespannt auf meine neuen Klassen. Und doch bestimmen gerade andere, weit wichtigere Dinge mein Leben, sodass es in der einen Woche bis zu den Faschingsferien darum geht, möglichst gut zu überleben und den ersten Eindruck nicht zu sehr in den Sand zu setzen. Aber auch Lehrer haben eben ein Leben neben der Schule mit allen Höhen und Tiefen und dieses Leben benötigt manchmal eben auch Aufmerksamkeit.

Die 2. Prüfungslehrprobe

Im Laufe des Einsatzjahres gibt es zwei große Punkte, die in Bayern auf der to-do-Liste des Referendariats abzuhaken sind: die schriftliche Hausarbeit und die 2. Prüfungslehrprobe. In welcher Reihenfolge man das ganze macht, bleibt einem meist selbst überlassen. Ich habe mich als Referendar in einem „Sommerseminar“ (Beginn im September), dazu entschieden zunächst am Ende des ersten Einsatzhalbjahres die Unterrichtsreihe für die Hausarbeit durchzuführen, sodass ich diese in den Sommerferien schreiben konnte bzw. zumindest in der Theorie dort hätte schreiben können. Das nimmt irgendwie zumindest ein klein bisschen den Stress aus dem Schreib- und Reflektionsprozess, da man diesen nicht neben der normalen Unterrichtsvorbereitung usw. durchleben muss.

Entsprechend steht dann aber bald nach Beginn des zweiten Einsatzhalbjahres, was wie bei mir wieder mit einem Schulwechsel verbunden war, die zweite Lehrprobe an. Erfreulicherweise kann man hier (zumindest war es bei mir so) stark Einfluss darauf nehmen, in welchem Fach und mit welcher Klasse man Lehrprobe macht. Aber trotzdem: kaum hat man sich mit der Klasse, der Schule und den örtlichen Abläufen vertraut gemacht, trudelt auch schon das Thema ein. Entsprechend ist es wichtig, dass der Stoffverteilungsplan schon irgendwie passt und man alle ausfallenden Stunden usw. im Plan registriert hat. Die Vorbereitung auf eine Lehrprobe entspricht praktische der, die man auch bei der ersten Lehrprobe durchlaufen hat. 3 Wochen vorher bekommt man das Thema, dann erstmal Ideen sammeln und schauen, was man vorher im Unterricht noch so alles behandeln will/muss. Anschließend Stundenideen skizzieren, Varianten gegeneinander abwägen und sich dann für irgendeinen Weg entscheiden. Die Begründungen müssen dabei natürlich irgendwie im Lehrprobenentwurf dokumentiert werden. Dabei ist alles im Prinzip so, wie man es in der ersten Lehrprobe auch erlebt hat, nur dass man nebenher deutlich mehr Unterricht zu erledigen hat. Korrekturen sollte man wenn möglich in dem Zeitfenster vermeiden.

Aber genug der schlauen Ratschläge. Warum ich den Eintrag hier eigentlich schreibe ist, dass ich die zweite Prüfungslehrprobe ganz anders wahrgenommen und erlebt habe als die erste. Das liegt vermutlich daran, dass man Einsatzreferendar ist und damit praktisch echt zum ganz normalen Kollegium zählt und zusätzlich noch etwas „Welpenschutz“ genießt. Das heißt alle drücken dir bei der Lehrprobe die Daumen, fragen, ob sie dich irgendwie unterstützen können und warten gemeinsam mit dir auf die Bewertung. Bei der ersten Prüfungslehrprobe am Seminar ist es irgendwie das Seminar gegen jede einzelne Lehrprobe, wobei viele eben auch immer gerade mit ihrer eigenen Lehrprobe beschäftigt sind. Im Einsatz fühlte es sich so an wie die ganze Schule gegen die eine Lehrprobe. Irgendwie sehr angenehm und entlastend. Vermutlich trägt dazu aber auch bei, dass Lehrproben an meiner aktuellen Schule als Termin in der Freitagsinfo genannt werden und auf dem Vertretungsplan stehen, sodass wirklich auch jeder Bescheid weiß.

Und das beste an der zweiten Prüfungslehrprobe ist, dass wenn sie vorbei ist, das Einsatzjahr auch schon praktisch gelaufen ist und man sich wirklich Zeit nehmen kann mal neue, kreative oder auch verrückte Dinge in seinem Unterricht auszuprobieren. Und das werde ich jetzt sicher in den nächsten Wochen tun, bevor es dann im Februar zurück an die Seminarschule geht. 🙂

Hier jetzt auch der zugehörige Lehrprobenentwurf ohne personenbezogene Daten:

Nachdenklich in die Pfingstferien

Nach dem heutigen letzten Schultag gehe ich aus mehreren Gründen etwas nachdenklich in die Pfingstferien. Zum einen war da ein Erlebnis heute morgen im Physikunterricht. Wir waren im Computerraum, sodass die Schüler mit einem virtuellen Spektrometer verschiedene Leuchtmittel erforschen konnten. In einer der Teilaufgaben musste hier von Nanojoule in Elektronenvolt umgerechnet werden, die Größen dazu waren entsprechend angegeben. Und sofort rief ein Teil der Schüler „Aber ich habe doch keinen Taschenrechner dabei“. Klar, mit etwas nachdenken und abwarten wären alle (einige haben es auch direkt gemacht) darauf gekommen, dass sie ja an einem Computer sitzen und der ein „großer“ Rechner ist und auch im Netz beliebig viele Taschenrechner zu finden sind, sodass ein eigener Taschenrechner gar nicht nötig ist. Aber dennoch hat es mir mal wieder vor Augen geführt, wie wir in der Schule alte Muster vermitteln, die im realen Leben quasi gar keine Rolle spielen – oder hat von euch schon mal jemand am Rechner gesessen und sich nach einem Taschenrechner gesehnt oder war einkaufen und hat sich seinen Schultaschenrechner gewünscht, um irgendwas auszurechen?
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Merke: Immer was Süßes dabeihaben

So, die Pfingstferien nähern sich unaufhaltsam und dementsprechend stehen gerade wieder sehr viele Schulaufgaben und Stegreifaufgaben an. Das finde ich immer relativ anstrengend und zeitraubend – sowohl in der Vor- als auch in der Nachbereitung. Aber naja, das ist nun mal Teil des Jobs und aus Sicht einiger Schüler oft leider der wichtigste Teil des Jobs. Das stimmt mich irgendwie manchmal nachdenklich, denn Schulaufgaben und Noten sollten ja an sich nicht der zentrale Punkt von Schule sein. Aber naja, daran wird sich wohl einfach nichts ändern, weil es im Endeffekt menschlich ist. Niemand kann sich für alle Fächer oder besser alle Inhalte gleich interessieren und damit geht es dann in manchen Dingen einfach nur ums schulisch „durchkommen“ – ich hätte fast „überleben“ geschrieben, aber ich plädiere ja immer dafür die Schule und Noten nicht zu wichtig zu nehmen, also hätte das nicht gepasst.
Weiter gibt es eine neue Erkenntnis für mich selbst, die aus den Erfahrungen mit den ganzen Leistungsnachweisen stammt: Ich muss unbedingt immer eine kleine Schachtel mit Süßigkeiten oder Schokolade dabei haben. Es bricht mir nämlich einfach das Herz, wenn jemand nach einer Schulaufgabe oder Stegreifaufgabe (oder auch sonst irgendwann) in meiner 6. oder 7. Klasse anfängt zu weinen und ich nicht wirklich was dagegen tun kann. Ich glaube hier hilft was Süßes einfach immer und macht schnell deutlich, dass Schule vor allem auch eines sein soll: menschlich.
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Zurück im Schulalltag mit Schulaufgaben

Nach dem kurzen Ausbruch aus dem Referendarsalltag durch den MNU Bundeskongress bin ich jetzt schon wieder mitten drin im Schulalltag und erlebe das, was man vermutlich auch als fertiger Lehrer immer wieder erlebt – eine anrollende bzw. eine einen fast überrollende Arbeitswelle. Vor den Osterferien stehen nämlich noch zwei Schulaufgaben an und dazu müssen noch einige Themen zu einem runden Abschluss gebracht bzw. neue Inhalte angefangen werden. Die Schulaufgaben kosten mich jedoch aktuell wirklich viel Zeit – und das nicht nur beim Korrigieren, sondern vor allem noch beim Konzipieren. Hier kann ich keine fertigen Schulaufgaben aus der Schublade ziehen und auch die Orientierung an anderen Schulaufgaben und Stehgreifaufgaben ist nicht so ganz einfach. Da dauert die Suche und das Adaptieren von Aufgaben eben ziemlich lange und trotzdem kann ich manchmal schwer einschätzen, wie passend und wie schwer die Aufgaben für meine Schüler sind und wie lange die Schüler zum Bearbeiten brauchen. Gut, dass der jeweilige Betreuungslehrer vorab nochmal drüberschaut und mit ein paar Anmerkungen unterstützt. Vorher kann man dann doch eher Dinge ändern und anpassen. Wenn die Schulaufgabe geschrieben ist, dann ist sie geschrieben.
Aber generell fällt mir beim Erstellen der Schulaufgaben gerade wieder auf, wie eingeschränkt solche schriftlichen Leistungsprüfungen doch sind.
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