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Mein gutes Jahr 2020 in Zahlen

Jahr 2020Um keinen zu langen Text über mein vollgepacktes, dichtes, aber sehr positives Jahr 2020 zu schreiben, versuche ich mal das Jahr in Zahlen zu fassen:

  • 1x unvergessliche Hochzeit mit Kirche, Standesamt und großer Feier umgeben von vielen guten Freunden
  • 1x Abschluss des Referendariats mit dem 2. Staatsexamens und sehr erfreulichem Notenschnitt
  • 170.000 Nutzer auf meiner Lernumgebung zur Elektronenbahnen mit einer durchschnittlichen Sitzungsdauer von über 5 Minuten und insgesamt 1,25 Millionen Seitenaufrufen
  • 1x erfolgreicher Umzug des Servers und Umstellung der Aufgaben auf H5P
  • 18 neue Videos zu Physikexperimenten auf YouTube gestellt
  • 375.000 Video-Klicks, über 10.000 Minuten Wiedergabezeit und 750 neue Abonnenten (am beliebtesten: Oersted-Versuch mit 40.000 Klicks)
  • 1x Planstelle bekommen und damit Rückkehr zu einem Gehalt wie vor dem Referendariat
  • 7 Klassen mit sehr vielen angenehmen, freundlichen und guten Schüler*innen bekommen
  • 1 großes neues LEIFI-Feature (Sammlungen) mitgestaltet, durchgetestet und Unterrichtserfahrung damit gesammelt
  • ca. 18 Drehbücher gegengelesen, korrigiert und diskutiert und die Artikel rund um das Grundwissen Optik dazu angepasst
  • ungezählte neue Physik-Bilder erstellt, beschriftet und hochgeladen
  • ungezählte Texte neu erstellt, überarbeitet, umsortiert und eingebaut
  • 600 € für Zugtickets, 300 € für Mietwagen und 0 € für Flugreisen ausgegeben

Ganz ehrlich: Für mich persönlich war 2020 privat und beruflich ziemlich gut und ich bin gespannt, wie die Reise in 2021 weitergeht…

Sommerferien

Ja, nun ist es endgültig soweit: auf dem Papier sind Sommerferien. Und damit sind auch die letzten Schritte des Referendariats erledigt – Bücher und Schlüssel abgeben, von den Seminarlehrern verabschieden, an der letzten Dienstbesprechung teilnehmen und zum letzten Mal von der Seminarschule nach Hause radeln. Irgendwie verrückt, aber irgendwie auch gut, denn der Akku ist aktuell ganz schön leer und braucht jetzt ein wenig Zeit, um sich wieder aufzuladen.
Trotzdem ist die erste Woche der Ferien nach dem Referendariat noch von sehr viel organisatorischer Arbeit geprägt. Da inzwischen alle wissen, wie und wo es nach den Sommerferien mit Planstelle oder Aushilfsvertrag weiter geht, stehen erste Termine in den neuen Schulen an. Ich muss zum Glück nicht umziehen und kann ab kommendem Schuljahr auch weiter gut mit dem Rad in die Schule fahren. Es geht für mich ins Herz der Stadt ans Wilhelmsgymnasium, ein kleines, humanistisches Gymnasium in altehrwürdigem, aber neu renoviertem Gebäude. Ich bin gespannt und freue mich auf die neue Aufgabe.
Aber entsprechend stand ein Gespräch mit der dortigen Schulleitung an, dann noch ein Termin für die Einführung in die digitalen Accounts der neuen Schule und dazu auch noch jede Menge Papierkram. Hier könnte sich mit Blick auf die Digitalisierung echt mal was tun. Eine digitalisierte Personalakte würde Papier, Porto und Zeit sparen.
Aber trotz allem blieb auch in der ersten Ferienwoche genug Zeit, um das schöne Wetter an der Isar zu genießen und mit dem Durchsortieren der Bilder endgültig die letzten Dinge der Hochzeit zu erledigen. Und jetzt gehen die Ferien für mich wirklich los. Eine Woche in der Heimat und dann über München nach Österreich. Und während all dieser Zeit kann ich ganz in Ruhe beobachten, wie der Schulunterricht in den anderen Bundesländern so anläuft 🙂

Das Referendariat als „Fachdidaktiker“

Im Internet kursieren ja viele Erfahrungsberichte, die das Referendariat als sehr anstrengende, physisch und psychisch belastende Sklavenzeit beschreiben, durch die man durch muss, bevor man dann als fertiger Lehrer frei ist, wie Dobby mit der Socke. Auch unter Didaktikern an der Uni hört man entsprechende Geschichten, in denen man ständig mit Seminarlehrern im Klinsch liegt, weil man ja der Besserwisser aus dem Elfenbeinturm der Uni ist. Und trotzdem habe ich mich vor etwa zwei Jahren entschieden nach der Promotion in der Physik (Schwerpunkt Fachdidaktik) ins Ref zu gehen: Ich wollte auch dieses Weg zu Ende gehen und Praxiserfahrung sammeln.
Jetzt, am Ende des Referendariats, aber bevor eine rückblickende Verklärung einsetzt, ist der Zeitpunkt gekommen, meine Erfahrungen zu berichten, um auch mal ein positiveres Bild des Referendariats zu verbreiten. Der Beginn war natürlich eine Umstellung. Von freien und flexiblen Arbeitszeiten an der Uni in ein enges Korsett aus allgemeinen Sitzungen, Fachsitzungen und zunächst Hörstunden an der Seminarschule. Auch an einige formale Abläufe wie das Schreiben der Protokolle musste ich mich erst einmal gewöhnen. Und dazu digital zunächst ein Rückschritt: Kein WLAN und keine Tablets für Schüler. Aber zumindest überall Beamer und Dokumentenkamera, in den Physikräumen auch drahtlos nutzbar. Besonders spannend für mich: Die ersten Begegnungen und Gespräche mit dem Seminarlehrer in Physik. Es lief alles sehr entspannt und geprägt von gegenseitiger Wertschätzung, auch wenn das Setting der Bewertung allen klar ist. Eine der ersten Aussagen, die mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, lautete sinngemäß: Ich möchte nicht, dass sie so unterrichten wie ich. Ich möchte, dass sie die zu ihnen passende Art des Unterrichts finden, weiterentwickeln und verbessern. Und dieser Satz passte zu uns vier doch sehr unterschiedlichen Physikreferendaren sehr gut und hat auch tatsächlich durchs ganze Referendariat getragen. Es war keine leere Phrase.
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Die letzte Phase des Referendariats – nach den Prüfungen

2.-Staatsexamen

Jetzt bin ich schon mitten drin in der wirklich letzten Phase des Referendariat, in der Zeit zwischen den letzten Prüfungen bzw. der Notenbekanntgabe und den Sommerferien. Mit dem Erreichen dieser Phase kommt zunächst natürlich erstmal ein Stückchen Freiheit in den Alltag und das Unterrichten zurück und auch die Arbeitsbelastung nimmt ab. Zwar gibt es noch letzte Fachsitzungen, aber Vor- und Nachbereitung sind hierzu nur noch beschränkt notwendig. Allgemeine Sitzungen finden keine mehr statt, sodass man sich tatsächlich mal wieder mehr auf den Unterricht konzentrieren kann, auch wenn hier bei vielen Lernenden auch die Luft gerade schon etwas raus ist und sehnsüchtig auf die Sommerferien gewartet wird. Und so versuche ich trotzdem gerade in Mathe noch mal ein paar neue Dinge, soweit das eben unter den aktuellen Corona-Bedingungen möglich ist.
Letzten Mittwoch kehrte dann mit einem Schlag aber doch wieder etwas Ernst in diese letzte Phase ein: Die Liste mit den Wartelistenbewerbern für September erschien und sorgte doch an der ein oder anderen Stelle für Überraschung und Verwunderung. Und auch da, wo sie das nicht tat, war plötzlich die Frage nach dem, wie es weiter geht, allgegenwärtig. Schließlich sind die Einstellungschancen beim Staat für das Lehramt am Gymnasium in Bayern nicht gerade rosig. Im September 2019 wurden 27% der Absolventen, im September 2018 nur 20% eingestellt. Klar, es gibt mit städtischen Schulen noch andere Arbeitgeber und es muss ja auch nicht immer direkt eine Planstelle sein, aber trotzdem machen die Zahlen keine gute Laune und man muss davon ausgehen, dass einige Leute aus dem Seminar keine Stelle zum September bekommen. Entsprechend überlegen einige wenige auch, ob sie an entsprechenden Zweitqualifizierungsmaßnahmen teilnehmen sollen.
Die Bedingungen dafür lesen sich ganz gut, aber eine echte Einschätzung kann ich dazu nicht abgeben, da ich persönlich zugeben, dass ich mir nie besonders große Sorgen um eine Stelle gemacht habe. Grund dafür ist zum einen weil ich als Fach Physik habe und zum anderen weil es sicherlich auch noch eine ganze Reihe von Alternativen gibt, die in meinem Fall auch finanziell nicht unbedingt schlechter sein dürften. Trotzdem bin ich natürlich gespannt, was passiert und vor allen Dinge wohin es für mich gehen soll. Über mehr mache ich mir dann anschließend Gedanken 😉 Es dauert allerdings wohl noch knapp zwei Wochen bis zum 17.7., an dem wir Bescheid bekommen.
Positiv hat mich mein Seminar wieder damit überrascht, dass das alles kaum auf die gute Laune und die Stimmung im Seminar geschlagen hat. So stand am Donnerstag unsere offizielle Verabschiedung an und es wurde ein sehr schöner, feierlicher Nachmittag mit guter Laune, vielen Lachern, lockeren Gesprächen und tollen Abschiedsgeschenken. Mein Seminar werde ich auf jeden Fall sehr vermissen! Aber jetzt genießen wir erstmal die letzten drei Wochen Ausklang des Referendariats.

Die Mündlichen im 2. Staatsexamen – meine Wahrnehmung

Letzte Woche war es soweit, die letzten Prüfungen des Referendariats standen an. Das bedeutet in Bayern jeweils 20 Minuten mündliches Prüfungsgespräch in beiden Fächern und kombiniert in Schulrecht und staatsbürgerliche Bildung auch insgesamt 20 Minuten. Auch hier unterscheidet sich also das Referendariat in Bayern durchaus von anderen Bundesländern, in denen zum Abschluss ein Tag mit mehreren Prüfungslehrproben ansteht. Aber insgesamt passt diese Prüfungsform zum Abschluss aus meiner Sicht durchaus zum Plan des bayerischen Referendariat.
Diesen Prüfungen sind in den Fächern sinnvollerweise fachdidaktische und keine fachlichen Prüfungen. Entsprechend geht es darin zum Beispiel um den Lehrplan der jeweiligen Fächer, didaktische Fragestellungen zu Unterrichtselementen, Vor- und Nachteile von Übungsformen, Möglichkeiten der Schüleraktivierung usw. Inbesondere in Physik spielen natürlich Experimente und Sicherheit auch eine gewichtige Rolle.
Meine Prüfungen habe ich persönlich grundsätzlich als fair und passend wahrgenommen. Natürlich gibt es Elemente, die man mehr mag und Elemente die man weniger mag, die man vielleicht auch als weniger sinnvoll empfindet, aber das ist eben so. Am Ende muss und kann man ja auch auf die Kompetenz der Prüfer vertrauen, dass das, was sie Fragen, Sinn ergibt und am Ende auch einen Hinweis darauf liefert, ob man für den Lehrerberuf geeignet ist. Das soll ja eine valide Prüfung in dem Rahmen leisten. Aber irgendwie ist es verrückt, was man sich dafür für einen Stress macht, obwohl alle drei mündlichen Prüfungen zusammen insgesamt nur 2/13, also ca. 15 % der Prüfungsnote ausmachen.
Zurück zur Praxis: Ich persönlich empfand die Elemente in den Prüfungen besonders gut, die irgendwie Bezug zum eigenen Unterricht oder zu den Jahrgangsstufen, die man unterrichtet hat, hatten. Hier hat man die Inhalte einfach auf einer ganz anderen Ebene durchdacht, als dies bei Inhalten der Fall ist, die man noch nicht selbst unterrichtet hat. Zumindest ist das bei mit in Mathematik so, in Physik bin ich natürlich aufgrund meiner Biografie sehr viel breiter aufgestellt. Aber auch hier bewegt sich das Prüfungsgespräch gleich auf einer ganz anderen fachdidaktischen Ebene, wenn man für den Inhalt bereits Sequenzpläne entwickelt hat, selbst unterrichtet hat, Erfahrungen gesammelt und Feedback von Schüler bekommen hat und mit diesen Erfahrungen über den Inhalt und die eigene gewählte Struktur reflektieren konnte. Ich würde sagen, dass hier dann in der Prüfung auch Informationen gewonnen werden können, die Aussagen hinsichtlich des späteren Lehrerlebens ermöglichen. Fragen nach dem exakten Lehrplanaufbau in einzelnen Jahrgangsstufen finde ich hier weniger aussagekräftig.
Insgesamt muss ich aber sagen, dass mich die gesamten Seminarsitzungen gut auf diese Abschlussprüfung vorbereitet haben. Beim Lernen wurde mir auch nochmals bewusst, wie viele Inhalte wir uns eigentlich angeschaut haben, wie viel wir als Seminar miteinander diskutiert haben und wie viel fachdidaktisches Wissen dabei bei uns entstanden ist. Weite Teile der Prüfung waren auch gar nicht von Corona beeinflusst. Allerdings zielten einige Fragen auf die Chancen und Herausforderungen des digitalen Unterrichtens ab, was passend war, da uns das in den Seminaren in den letzten Monaten viel bewegt und beschäftigt hat. Mental eine Herausforderung ist natürlich die Situation mehrere Prüfungen an einem Tag hintereinander zu haben. Da man dann auch direkt anschließend nach 5-10 Minuten Beratung der Prüfer die Noten bekommt, kann das insbesondere bei einem nicht so guten Start in den Tag schwierig sein. Besonders komisch auch dann, wenn man zweimal dem gleichen Prüferteam gegenüber sitzt. Aber irgendwie geben alle (Prüflinge, Prüfer und Mitrefis) trotzdem ihr bestes, dass dieser Tag halbwegs erträglich wird.
Schulrecht und Staatsbürgerliche Bildung bildete bei mir den Abschluss. Beides wichtig, auch wenn man vielleicht nicht ganz so viel direkte Erfahrung damit hat. Aber auch hier fühlte mich gut vorbereitet durch die Seminarsitzungen und Politik interessiert mich sowieso, sodass ich mit positiver Grundstimmung in diese letzte Prüfung gehen konnte. Und zack, war es auch schon vorbei. Völlig verrückt und ein ziemlich gutes Gefühl. Besonders kam dass dann am Freitagnachmittag nochmal zum Tragen. Hier haben wir alle unsere restlichen Noten bekommen: Hausarbeit: 1/13 und die Krawattennoten (Unterrichtskompetenz, Erzieherische Kompetenz und Handlungs- und Sachkompetenz) aus den Gutachten 5/13. Und anschließend haben wir alle einfach ganz ohne Druck und sehr entspannt zusammen angestoßen, so gut es eben in der aktuellen Zeit möglich ist. Hierbei wurde mir auch nochmal besonders deutlich, was ich an meinem Seminar so schätze und auch in vielen Gesprächen mit meinen Mitrefis rauskam: Das ganze Seminar hat immer zusammen als Team gearbeitet, es war immer ein gutes Miteinander und zu keiner Zeit irgendwie ein Konkurrenzkampf mit Ellenbogen um die bessere Nachkommastelle im Zeugnis. Das hat die Zeit so angenehm und auch so gewinnbringend gemacht. Was natürlich nicht heißt, dass man nicht noch das ein oder andere verbessern könnte, aber das ist wieder ein eigenes Thema. Jetzt genieße ich erstmal das Ende des Referendariats und freu mich, wieder coole Dinge mit meinen Schülern zu machen.