AuthorStefan

Fortbildung Physik und Technik

In den vergangenen Tagen durfte ich zum ersten Mal an einer Lehrerfortbildung im Physikzentrum in Bad Honnef teilnehmen bzw. einen Beitrag dazu leisten. Bereits am Sonntagmorgen um kurz nach 8 Uhr bin ich in München aufgebrochen, um pünktlich zum Start der Veranstaltung im Physikzentrum zu sein. Schon beim ersten Anblick des Gebäudes stellte sich etwas Hogwarts-Atmosphäre ein und tatsächlich wird man immer wieder verzaubert: Vom Gebäude, dem drumherum, den (Experimental-)Vorträgen und den Workshops. Die Themen zähle ich jetzt nicht alle auf, aber von Elektromotoren, über Drohnen und Wasserraketen bis hin zu Science-Fiction-Rollen war alles dabei und alles war spannend, inspirierend und lehrrreich. Allerdings wird auch an vielen Stellen deutlich, dass der Lehrplan und der klassische Unterricht im 45 Minuten-Takt eine ziemliche Hürde darstellt. Vieles würde einfacher umsetzbar sein, wenn Schule mehr Freiraum bieten würde.
Ich selbst habe einen Workshop zu interaktiven und stummen Videos gehalten. Zunächst also die Relevanz von Videos deutlich gemacht, Herausforderungen aufgezeigt und dann die Vertonung von stummen Videos vorgestellt. Spannend ist immer wieder zu sehen, wie unterschiedlich die Ausstattungen und Settings in den verschiedenen Schulen sind, auch wenn die technische Ausstattung gefühlt besser wird (sagen auch die nicht repräsentativen Umfragen unter den Teilnehmern). Aber zum Glück gibt es ja hier eine Vielzahl an Varianten, wie man das Umsetzen kann und die Schüler:innen haben mit den meisten davon eigentlich kaum technische Probleme. Im zweiten Teil haben wir mit H5P und Lumi die Möglichkeiten von interaktiven Videos ausgelotet und natürlich auch gleich ausprobiert. Es waren zwei aktive, vielleicht etwas zu voll gepackte Stunden, aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht – mit und den vielen Teilnehmern. Die Folien dazu am Ende des Artikels.
Ansonsten sind die vielen Gespräche rundherum mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schulen und anderen Bundesländern immer sehr bereichernd – hier ist eben der große Unterschied zwischen einer Online-Fortbildung über 2 Stunden und einer Präsenzfortbildung von 4 Tagen. Dazu kommt man auch mit den Physikdidaktikern in einen tollen Austausch – ein Punkt, der mir im normalen Alltag oft etwas fehlt (wahrscheinlich, weil ich eben lange Teil dieser Bubble war).
Es war auf jeden Fall mal wieder schön unterwegs in Sachen Fortbildung zu sein und ich habe sicher auch selbst viele Anregungen mitgenommen, die ich in meinem Unterricht ausprobieren will. Jetzt geht es aber erstmal wieder 6 Stunden per Zug zurück nach München, sodass ich morgen früh wieder vor der Klasse stehen kann.

Lehr- und Fachkräftemangel – Auch die Folge fehlender Krippenplätzen

Immer wieder geht das Thema des Lehr- und Fachkräftemangels durch die Presse, der gerade im MINT-Bereich besonders gravierend ist und sich verschärft. Gerade heute wieder hat die SZ berichtet. Dabei kommt häufig auch die hohe Teilzeitquote zur Sprache – mal mit Bezug zu Erziehungszeit, mal ohne. Hier möchte ich auf ein Problem hinweisen, welches auf das gesamte System durchschlägt und das ich gerade am eigenen Leib erfahre: der Mangel an Krippenplätzen.

Die Ausgangssituation

Mein Kind, dass letzten März geboren wurde, soll eine Kindergrippe besuchen. Weil Plätze im Laufe des Jahres praktisch kaum zu bekommen sind, da ja fast nur Plätze frei werden, wenn ältere Kids in die Schule kommen, haben wir es so geplant, dass wir selbst 1 1/2 Jahre die Betreuung komplett übernehmen. Entsprechend suchen wir einen Krippenplatz für September. Die Platzvergabe für viele Kitas läuft hier in München über den KitaFinder+ der Stadt. Entsprechend haben wir dort bereits im September, also ein Jahr vor dem gewünschten Betreuungsbeginn entsprechene Anmeldungen getätigt und dabei eine Betreuungszeit angegeben, sie es uns ermöglichen soll einmal Vollzeit und einmal mindestens zu 75% zu arbeiten, gewünscht eher mehr. Angemeldet haben wir uns bei 24 Krippen die irgendwie mit dem Rad oder den Öffis vertretbar zu erreichen sind – wir waren also wirklich nicht wählerisch. Die offizielle Platzvergabe startete Mitte März.

Aktuelle Lage

Wir haben bis jetzt noch immer keinen Krippen-Platz und die Wahrscheinlichkeit noch einen in den gewünschten Krippen zu bekommen, ist natürlich drastisch gesunken. Über den KITA-Finder gab es bisher auch keinerlei weitere Informationen bis auf eine einzige Nachricht vom 5.5. die lautete, dass die Platzvergabe zügig liefe und weiter Plätze vergeben werden. Man erhält also keinerlei Informationen außer die schlechte Nachricht, dass wohl viele Plätze vergeben werden, aber man selbst noch immer keinen bekommen hat – über diese Kommunikation kann man sicher auch kritisch diskutieren. Zusätzlich haben wir jetzt bei der Elternberatung den Betreuungsbedarf angemeldet – vielleicht bringt das ja noch eine Lösung, auch wenn die Gespräche nicht gerade positiv stimmen. Einen aktiven Hinweis darauf und die damit verbundene offizielle Geltendmachung des Rechtsanspruches gab es nicht, auch wenn diese Meldung eigentlich drei Monate vor Beginn des Betreuungsbedarfs erfolgt sein muss.

Die kurzfristigen Folgen

  • Da die Kinderbetreuung ab September noch völlig unklar ist, ist es auch die berufliche Tätigkeit. Wer von uns in wie weit dem Arbeitsmarkt ab September wieder zur Verfügung steht und arbeiten kann, ist ungewiss. Sehr wahrscheinlich werden wir nicht beide wie gewünscht arbeiten können -> es fehlt eine Fachkraft.
  • Ich muss mich informieren, welche Möglichkeiten es z.B. im Beamtengesetz gibt, evtl. auch sehr kurzfristig mehr Zeit für die Kinderbetreuung zu haben.
  • Und ganz ehrlich: Aktuell ist das auch ein Gefühl der maximalen Kinderunfreundlichkeit. Gefühlt scheint es der Staat bzw. Bayern bzw. München gar nicht zu wollen, dass Eltern Vollzeit arbeiten können. Dann darf sich der Staat aber auch nicht über fehlende Lehr- und Fachkräfte beschweren.

Die langfristigen Folgen

  • Fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten machen den Weg zu mehr Gleichberechtigung und auch den Weg aus der Teilzeitfalle schwierig. Natürlich haben beide Ehepartner das gleiche Recht zu arbeiten und die gleichen Pflichten in der Haus- und Care-Arbeit. Aber am Ende muss man auch rechenen, was sich finanziell mehr lohnt. Und jedes einzelne Jahr, das man aus dem Job raus ist, macht vergrößert eine evtl. Einkommensschere noch, das Problem wächst also.
  • Die Bereitschaft etwas für einen Arbeitgeber/ein System zu geben, hängt maßgeblich auch damit zusammen, was man von ihm zurückbekommt. Gerade bei Lehrkräften ist das hier problematisch, da auf der einen Seite die Aufgaben in der Schule eher wachsen als weniger werden und z.B. Teilzeitmöglichkeiten eingeschränkt werden, man auf der anderen Seite aber (gefühlt?) wenig zurückbekommt – Mitte Juni noch immer keinen Krippenplatz für September. Da überlegt man schon, wie man dieses gefühlte Missverhältnis wieder in die Waage bringen kann.
  • Als sehr teure Stadt wird München ohne zwei Einkommen sehr unattraktiv. Wenn einem dies nicht ermöglicht wird, da es kein bezahlbares Betreuungsangebot für die Kinder gibt, bleibt als Alternative nur ein Ortswechsel.
  • Krippenplätze werden zu einem Standortfaktor und entscheiden auch mit über die Wahl des Arbeitgebers. Für mich bedeutet das ganz konkret zweierlei:
    1. Ich überlege, wohin es sich lohnt einen Versetzungsantrag zu stellen oder auch das Land / Bundesland zu wechseln, um eine bessere Kinderbetreuung zu erhalten, sodass sowohl meine Frau als auch ich die Möglichkeit auf eine Vollzeitstelle haben.
    2. Ich überlege, ob ich nicht aktiver auch außerhalb des Lehrerberufes Jobchancen sehen z.B. bei Firmen, die eine Firmenkita haben, oder die in einer Gegend liegen, wo es Krippenplätze gibt.

Lösungsvorschläge

Natürlich ist es jetzt einfach hier zu schreiben, dass wir einfach nur dafür sorgen müssen, das es genug Krippenplätze bzw. Erzieher*innen gibt (oft ist aktuell das Personal der limitierende Faktor). Aber im Grunde ist das, neben gesteigertem Zuzug aus dem Ausland, die einzige Lösung, um dem Fachkräftemangel, der auf breiter Front droht bzw. schon existiert, entgegenzuwirken – gerade für Lehrkräfte, deren Arbeitszeit zu guten Teilen in Präsenz und zu einem fixen Zeitrahmen, nämlich vormittags zwischen 8 und 15 Uhr stattfindet. Ich persönlich könnte mir als Nachteule auch andere, kreative Modelle der Betreuung vorstellen, aber wenn ich unterrichte kann ich meinen Sohn nicht betreuuen.
Grundsätzlich habe ich aber das Gefühl, dass wir als Gesellschaft noch immer nicht verstanden haben, was es bedeuetet, wenn wir den Erzieher-Beruf nicht stärker wertschätzen und welche Folgen das z.B. auf den Fachkräftemangel hat. Wenn wir beide Elternteile als Fachkräfte brauchen, dann muss auch die Kinderbetreuung gesichert sein und die Krippenplatzvergabe kein Lotteriespiel mit schlechten Chancen.

Ein Wort zu Teilzeit allgemein

Zum Abschluss noch ein paar Worte generell zur Teilzeit im Lehrerberuf. In Artikeln in der Presse und in Äußerungen von Politikern zum Lehrkräftemangel wird auch immer wieder auf Lehrkräfte verbal „eingeprügelt“, die auch außerhalb von Erziehungs- oder Pflegezeiten nur in Teilzeit arbeiten wollen oder können. Für mich ist das eine sinnfreie Randdiskussion, die am Ende nur dazu führt, dass das Berufsfeld Lehrer noch unattraktiver für den Nachwuchs wird. Der Staat hat den Wandel in der Arbeitswelt bzw. eher bei den potentiellen Bewerbern offenbar noch immer nicht verstanden: Viele gute Leute wollen Flexibilität und eine gute Work-Life-Balance. Passt die nicht, macht die junge Generation (oder eher Teile davon) eben was anderes, auch weil sie selbst flexibel ist und weniger Angst vor Brüchen im Lebenslauf hat. Der Fachkräftemangel spielt ihnen dabei in die Karten und der Staat muss sehen, wie er im Konkurrenzkampf um kluge Köpf vor allem im MINT-Bereich mithalten kann – ein flexibles Stundendeputat wäre dabei sicher ein Plus, stark eingeschränkte Teilzeitmöglichkeiten ein dickes Minus.

Elternzeit – Ein Mini-Rückblick

Seit vergangenen Montag ist meine Elternzeit leider wieder zu Ende und die Schule hat mich wieder ganz eingeholt. Zwischendurch hat mich nur das Mathe-Abi ziemlich beschäftigt, aber dazu schreibe ich heute nichts. Ich will nur kurz festhalten, dass es definitv eine sehr richtige Entscheidung war Elternzeit zu nehmen, auch wenn das im Kontext Schule zu verschiedenen Herausforderungen führt (siehe letzten Eintrag). Aber am Ende ist das eine Zeit mit dem Nachwuchs oder auch mit der gesamten Familie, die nie mehr wieder kommt und hier darf das Private durchaus mal ganz klar im Vordergrund vor dem Schulischen stehen, da einem Rücksicht im System sowieso kaum gedankt wird.
Es hat zu Beginn der Elternzeit natürlich etwas gedauert, bis ich mich gedanklich etwas von der Schule gelöst habe, aber dann habe ich doch ziemlich gut Abstand gewonnen – natürlich auch weil ich anderweitig gut eingespannt und viel unterwegs war. Insgesamt hatte mein Kopf in den vergangenen Wochen wirklich viel Zeit um voll und ganz bei der Familie zu sein. Auch hat mir das Timing der Elternzeit geholfen die Thematik von Schule und Corona etwas bei Seite zu schieben, da mich das Ende von Test- und Maskenpflicht nicht im vollen Klassenzimmer berührt hat. Und wenn man nur mit seiner kleinen Familie unterwegs ist und wenig sonstige Kontakte hat, dann entspannt das ziemlich 🙂
Kurz: Es war alles super genau so, wie es war und ich habe die Zeit wirklich genossen. Daher kann ich es jedem nur empfehlen wenn es finanziell irgendwie geht, mindestens zwei Monate Elternzeit zu nehmen und das Aufwachsen und die Familie noch mehr und noch enger mitzuerleben – dieses Erlebnis ist unbezahlbar.

Elternzeit und Schule – ein Brennglas auf den Personalmangel

Schreibtisch vor der Elternzeit

So, jetzt ist es soweit: ich habe meine Schreibtisch in der Schule aufgeräumt, jede Menge Klassenübergabegespräche geführt und die letzten Schulaufgaben soweit möglich an die Respizienz gegeben. Warum? Weil ich nun etwas mehr als zwei Monate in Elternzeit und damit raus aus der Schule bin. Mit Blick auf die schon wieder steigenden Fallzahlen, die damit verbundenen erhöhten Fehlzeiten von allen Beteiligten und die nervige Diskussion um Abschaffung der Maskenpflicht im Klassenraum gefühlt gerade ein guter Zeitpunkt. Aber darum soll es nicht gehen, sondern ich möchte vielmehr deutlich machen, dass die Mangelverwaltung im Bildungsbereich gerade hier bei der Elternzeit deutlich zu Tage tritt.
Zunächst mal kommt eine Elternzeit ja im Gegensatz zu einem krankheitsbedingten Ausfall nicht überraschend, sondern ist dem Kultuministerium und der Schulleitung schon mit einigem zeitlichen Vorlauf (mind. 7 Wochen, in der Regel eher deutlich mehr) bekannt. Idealerweise müsste dann einfach das Ministerium eine Lehrkraft aus der mobilen Reserve mit der passenden Fächerkombination für die Zeit an die Schule schicken, die die Klassen und den Unterricht komplett übernimmt (was gerade bei einer vollen Stelle ja eigentlich genau passt). Dies würde zur minimalst möglichen Belastung für die sonstige Schulgemeinschaft führen. Aber leider passiert das nicht. Warum nicht? Ich habe keine Ahnung, das fällt nicht in meinen Zuständigkeitsbereich und Einblick und Entscheidungshoheit hat hier am Ende wohl eh nur das Kultusministerium. Aber ich gehe mal stark davon aus, dass der Pool der mobilen Reserve für sowas einfach viel zu leer ist, gerade auch mit Blick auf Physik. Was passiert stattdesssen (weil externe Vertretungskräfte natürlich auch praktisch nicht zu bekommen sind in Physik): Es muss im eigenen Kollegium händeringend nach Möglichkeiten gesucht werden, die ausfallenden Lehrerstunden irgendwie zumindest zum großen Teil zu kompensieren. Es müssen also Kollegen zusätzlich zu ihren normalen Stunden und Klassen weitere Stunden und Klassen übernehmen. Gerade in einem kleinen Kollegium oder in einer kleinen Fachschaft ist das wirklich eine Herausforderung und sicher eine größere Belastung. Damit ist dann auch ein komplett neuer Stundenplan für alle von Nöten, damit das überhaupt irgendwie funktioniert. Man verursacht so also gefühlt die maximal mögliche Zusatzbelastung für das eigene Kollegium, was ja durch Corona und nun auch evtl. Willkommensklassen usw. eh schon am Limit oder weit darüber hinaus ist, sodass z.B. Schulentwicklungsaufgaben rein aus Belastungsgründen nur noch nebenher auf Sparflamme laufen können. Da hilft es auch kaum, wenn mal als derjenige, der in Elternzeit geht, alles so gut wie möglich vorbereitet und z.B. dafür sorgt, dass zumindest keine Schulaufgaben in dem Zeitraum geschrieben werden müssen usw. Irgendwie könnte man ja fast ein schlechtes Gewissen bekommen in diesem System überhaupt in Elternzeit zu gehen, auch wenn das hier natürlich völlig unangebracht ist.
Bei all dieser „Zusatzarbeit“, die durch meine Elternzeit für das Kollegium entsteht, kann ich aber erfreulicherweise sagen, dass mir es gefühlt an meiner Schule wirklich niemand übel nimmt, dass ich in Elternzeit gehe, sondern ich von vielen Seiten höre, dass ich die Zeit mit meinem Kind genießen soll. Dies ist aber vermutlich auch nicht in jedem Kollegium und an jeder Schule so, was dann noch eine zusätzliche Belastung für alle darstellen würde.
Kurz: Obwohl die Elternzeit von Lehrkräften ja grundsätzlich mit einigem Vorlauf von Seiten der übergeordneten Personalverwaltung gut einzuplanen wäre, passiert da aus meiner Sicht viel zu wenig. Dies mach deutlich, dass personalmäßig einfach schon heute und auch am Gymnasium eine Mangelverwaltung herrscht, was zu einer zusätzlichen Belastung aller anderen Lehrkräfte führt. Auch macht es deutlich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Schule nicht immer ganz so leicht ist, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Produktiv arbeiten anstatt genervt von der Corona-Politik sein

Die Überschrift beschreibt schon sehr gut meinen heutigen Samstag. Eigentlich gibt es gerade wieder mehr als genug Grund sich über die Corona-Politik in Bayern und ganz Deutschland aufzuregen und vollends politikverdrossen zu werden.

Ich gebe nur zwei Beispiele:

  1. Das bayerische Kultusministerium betont, dass ganz alleine die Gesundheitsämter über Quarantäne entscheiden und bis eine Anordnung von diesen vorliegt alle Kontaktpersonen losgelöst vom Impfstatus und sonstigem uneingeschränkt am Präsenzunterricht teilzunehmen haben. Das die Gesundheitsämter völlig überlastet sind und garantiert keine zeitnahe Quarantäneanordnung treffen können, ist dabei sicher auch den Entscheidern bewusst. Wenn überhaupt irgendwas vom Gesundheitsamt kommt dann lange nachdem die Quarantäne hätte sein soll. Völliger Schwachsinn.
  2. Der Bundestag hat aufgrund der hohen Coronazahlen die Präsenzpflicht im Bundestag aufgehoben. Diejenigen, die in einer Krise vorangehen, Entscheidungen treffen und Orientierung geben sollen, verkriechen sich trotz der Möglichkeit der Impfung, trotz Tests und trotz Luftfilter im Bundestag ins Homeoffice. Gleichzeitig behaupten sie aber alle, dass Schulen ein sicherer Ort sind, obwohl die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen durch die Decke gehen. Auch müssen hier jeden Tag tausende Lehrer:innen in kalten, kleinen Klassenräumen ohne Abstände und Luftfilter dabei zusehen, wie 30 Schüler:innen mehr oder eher wenig sensitive Schnelltests durchführen. Klingt fair, oder? Zumindest gibt es hier eine kreative Petition zu dem Thema. Aber ehrlich: Als MdB würde ich mich schämen und ich kann aktuell niemandem eine gewisse Politikverdrossenheit übel nehmen.

Aber anstatt mich darüber den ganzen Tag aufzuregen und mir den Kopf darüber zu zermartern, wen man eigentlich zukünftig noch wählen kann, habe ich mich einfach an den Rechner gesetzt und angefangen „stumpf“ zu arbeiten – nicht an einem spektakulären, neuen, großen Projekt, sondern einfach an Dingen, die schon viel zu lange liegen geblieben sind und langsam mal zu einem Ende kommen sollten. Ich habe mich also auf LEIFIphysik zunächst der Relativitätstheorie und anschließend einem Teil der Astronomie angenommen und hier angefangen Advance Organizer zu schreiben, etwas mehr Struktur in einzelne Artikel und Experimente zu bringen, Querverweise zu setzen, Inhalte zu ergänzen und Grafiken neu zu machen. Das Gute dabei: Ich kann dann total in der Materie versinken, kommen automatisch von Baustelle zu Baustelle, sodass mir die Arbeit nicht ausgeht und lerne aber meist selbst gleichzeitig immer noch was dazu. Die Physik ist einfach so breit, da kann man nie alles Wissen und schon gar nicht gleichzeitig im Kopf haben. Dazu dann noch ein paar Feedback-Karten vom Trello-Board (tolles Tool um zumindest etwas den Überblick auch über größere Projekte zu behalten) abgearbeitet und so durch das Feedback der Community z.B. das Snelliussche Brechungsgesetz klarer und hoffentlich verständlicher formuliert. Dazu gibt es jetzt auch noch eine kleine Liste mit Bildern, die ich noch aufnehmen will und eine Liste mit Aufgaben, die bald überarbeitet, erweitert oder gleich ganz neu gemacht werden. So ist die to-Do-Liste zwar am Ende des Tages nicht unbedingt kürzer geworden, aber es hat sich doch wieder einiges getan. Und mit Blick auf die vielen Schüler:innen, Studierenden und Lehrer:innen, denen das vielleicht irgendwann mal hilft, ist das ein gutes Gefühl.
Und zwischendurch, wenn mein Kopf gerade mal eine Pause brauchte, laute Musik auf die Ohren (Clueso, Kraftklub, Kettcar) und etwas handwerklich arbeiten: Fahrradbremsen neu einstellen und Löcher in der Wand zuspachteln. Ach ja und für die Hand-Auge-Koordination habe ich mal wieder jongliert. Ich glaube anstatt zu fasten, setze ich mir dieses Jahr das Ziel das Jonglieren mit 4 Bällen zu lernen.
Fazit: Solche „Arbeitstage“ egal ob mit „stumpfem“ inhaltlichen arbeiten, mit mehr oder weniger komplexem programmieren oder tiefgehender didaktischer Konzeption von neuen Features oder Lernangeboten tun mir echt gut und helfen dabei das Corona-Chaos drumherum durchzustehen.