AutorStefan

Twitterlehrerzimmer und Corona

Im normalen Schulalltag habe ich das sogenannte Twitterlehrerzimmer schätzen gelernt. Man bekommt neue Trends mit, kann Ideen sammeln und diskutieren, tauscht sich über Experimente und Material aus und hilft sich gegenseitig – technisch, didaktisch, fachlich. Auch zu Beginn der Corona-Krise und des damit verbundenen Homeschoolings fanden sich hier zahlreiche Ideensammlungen und Praxisbeispiele. Dazu wurde viel über Kontaktmöglichkeiten, Videokonferenz-Tools und auch Unterstützungsmöglichkeiten für sozial schwache Lernende diskutiert – oft sehr fundiert und brauchbar.
Doch die aktuellen Diskussionen rund um die Wiedereröffnung der Schulen und mögliche Fahrpläne hierfür finde ich es gerade sehr anstrengend. Da werden gefühlt viele Lehrkräfte plötzlich zum Experten, belegen in 280 Zeichen wahlweise warum es falsch ist, Schulen zu öffnen, warum es falsch ist, mit der Grundschule anzufangen, warum es falsch ist, die Abiturienten Abitur schreiben zu lassen, oder warum es richtig ist, endlich wieder Schulen zu öffnen. Dabei machen einige den Eindruck, sie könnten dies natürlich aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Lehrkraft vollständig beurteilen und einschätzen und stellen dabei verallgemeinernde Behauptungen auf, die teilweise auch einfach schlicht falsch sind. Beispiel: Sommerferien schaden ja auch nicht. Dazu wird, egal wer irgendetwas mit etwas Impact sagt oder veröffentlicht, wie z.B. das Gremium der Leopoldina, direkt inhaltslos und teils persönlich angegriffen: Die haben keine Ahnung von Schule oder sind ja alles nur Professoren im Elfenbeinturm. Da wird sofort klar, dass viele die Stellungnahme nicht bis zum Ende gelesen haben oder schlicht und einfach nicht verstanden haben. Man kann von der Stellungnahme halten was man möchte, aber wenn jemand darüber versucht zu urteilen, dann sollte er das basierend auf echten Argumenten tun – hier ist gefühlt ein Teil des Twitterlehrerzimmers gerade kein gutes Vorbild. Die Leute die diese Stellungnahme erarbeitet und abgewogen haben, wissen ganz sicher, wie es in der Schule abläuft, wobei schon hier gilt: die Schule gibt es nicht. Hier finden sich sehr große Unterschiede insbesondere, was auch die sanitären Anlagen und den Umgang der Schülerschaft damit angeht (sicher auch ein gutes Lernziel für die ersten Wochen nach dem Lookdown). Gleiches gilt für den sozialen Hintergrund der Schülerschaft, die Ausstattungen und Möglichkeiten für Homeschooling, die Fallzahlen in der Region und und und. Es ist ein komplexes Problem und die Forscher und Politiker müssen hierin nicht nur die Perspektive Schule beachten, sondern noch viele andere Dinge mit einbeziehen. Und ganz ehrlich, wenn ich mir überlege, wie unsicher ich bei einigen Dingen bezogen auf meinen klar abgegrenzten, nur bedingt bedeutungsvollen Schulunterricht bin, dann wird mir schnell klar, dass hier extrem viel abgewogen werden muss und das Ergebnis trotzdem mit Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten behaftet sein wird, wie jede noch so perfekt geplante Unterrichtsstunde auch.
Kurz: Es ist extrem komplex und das sollten wir alle anerkennen. Es gibt keine einfachen, allgemein gültigen Antworten auf die Frage der Schulöffnung, die in 280 Zeichen passen. Ich hoffe, dass wir dies auch irgendwie aus der Krise mitnehmen und unseren Schülern ebenfalls zukünftig stärker vermitteln. Die Welt ist komplex und wir müssen viele Argumente und Sichtweisen berücksichtigen und abwägen.

Übrigens geben auch einige Lehrerverbände meiner Meinung nach gerade keine gute Figur ab, die immer vehement Infos fordern, wie und wann es denn in welcher Form weitergeht mit Schule. Hey, die Zukunft ist gerade mit sehr großer Unsicherheit behaftet und wenn die Kultusminister schon einen Tag nennen, an dem Entscheidungen getroffen werden, dann sollten wir einfach so lange warten. Ich als einfache Lehrkraft bin so flexibel und spontan, auch wenn am Freitagabend die Info kommt, am Montag ist Präsenzschule, dann bin ich am Montag da und werde bei den Schülern sein – normaler Unterricht wird eh nicht laufen. Dass bspw. Schulleitungen hier etwas mehr Vorlauf brauchen, ist mir durchaus klar und deswegen wird die Entscheidung ja schon heute verkündet. Etwas mehr Demut und Gelassenheit würde hier vielleicht gut tun.

Referendariat in Zeiten von Homeschooling und Corona

Auch viele Referendare sind von den aktuellen Schulschließungen betroffen und müssen sowohl ihren Unterricht plötzlich vollständig digital halten als auch mit einer ziemlichen Ungewissheit in Richtung ihrer Lehrproben und Prüfungen schauen. Dazu erfahren sie selbst „Heimunterricht“ in Form von digitalen Fachsitzungen. Drei mehr oder weniger große Baustellen, von denen ich nacheinander kurz berichten will

Nummer 1: Unterricht ohne klassischen Unterricht. Wie alle Lehrkräfte sind natürlich auch wir Referendare aktuell gefordert, geeignetes Lernmaterial und Aufgaben bereitzustellen, mit denen Schülerinnen und Schüler selbstständig oder kollaborativ Dinge üben, vertiefen oder neu lernen können. An meiner Schule wird die Materialbereitstellung standardisiert über Mebis (Moodle) gemacht, was technisch im Prinzip nach einigen Anlaufschwierigkeiten ganz gut funktioniert. Bei Bedarf erhält man inhaltlich dabei auch Unterstützung von den Betreuungs- und Seminarlehrkräften. Technisch ist das übrigens für alle Referendare in meinem Seminar im Prinzip kein Problem. So, damit hört es aber auch langsam schon auf mit den einfachen, gut funktionierenden Aspekten. Ein Unterschied stellt jedoch die technische Ausstattung der Referendare da, die teilweise die das Erstellen von Lernmaterial erleichtert oder erschwert. Ich vermisse gerade mein Dienst-iPad sehr, welches ich in einer Einsatzschule hatte. Das bzw. irgendein Endgerät mit Stift würde mir einige Dinge deutlich erleichtern. Inhaltlich stellt sich die Frage, ob wir lediglich Stoff Wiederholen und Vertiefen sollen (Ansage Kultusministerium) oder ob wir auch neue Inhalte erarbeiten lassen sollen (Ansage einiger Seminarlehrkräfte). Hier sitzt man insbesondere als Referendar ganz schön zwischen den Stühlen. Organisatorisch stellt sich die Frage, wie sehr man auf Wochenplanarbeit oder ähnliches mit relativ freier Zeiteinteilung setzt oder wie eng man versucht etwas an den Stundenplan anzuheften (etwa mit bestimmten Abgabeterminen von Aufgaben), um insbesondere schwachen Schülern Struktur zu bieten. Auch hier gibt es verschiedenste Meinungen zu und als Refi weiß man manchmal nicht, welchen Weg man einschlagen soll. Ganz davonabgesehen, dass die passende Menge der Inhalte und Aufgaben für uns noch schwerer abzuschätzen ist, als für Lehrkräfte mit 10 Jahren Schulerfahrung. Doch die für mich drängendste Frage ist eigentlich, wie bleibe ich mit meinen Schülern in Kontakt? Das gilt insbesondere für diejenigen, die sich aktuell stark zurückziehen, auf Mebis praktisch nicht sichtbar aktiv sind, nichts abgeben. Gefühlt ist die einzige wirklich legale Möglichkeit diese Schüler bzw. deren Eltern per Telefon anzurufen. Das ist okay, reicht um minimalen Kontakt zu erhalten, aber reicht nicht, um diejenigen beim Lernen zu unterstützen, die Hilfe brauchen und evtl. auch keine guten Lernbedingungen zu Hause vorfinden. Das ist irgendwie frustrierend. Hier wären sicher (Video-)Chatgelegenheiten gut, auch wenn diese wiederum nur ein Teil der Leute erreichen würden. Aber hier fehlt mir als Referendar eine Ansage „von oben“, was man nutzen soll/kann/darf. Ja, ich könnte ein Jitsi-Meeting veranstalten, ich kann auch einen Discord-Server aufmachen und noch viel mehr, aber das ist dann alles völlig unkoordiniert, hängt einige Schüler ohne gut WLAN und eigenes Endgerät noch mehr ab und überfordert einige auch technisch, gerade wenn parallel mehrere Tools, weil mehrere Lehrkräfte, genutzt werden. Außerdem ist man schnell rechtlich auf dünnem Eis, was man gerade als Refi ja nicht allzu gerne hat. Kurz: Wir erleben auch als Referendare gerade all die Probleme und Herausforderungen, die „normale Lehrkräfte“ gerade auch erfahren, manchmal nur etwas verstärkt dadurch, dass unsere Stellen nicht so sicher sind, wir (fälschlicherweise) Fehler vermeiden wollen und ständig das Schwert der möglichen Bewertung über uns schwebt.

Damit sind wir auch schon bei Nummer 2, der Ungewissheit, was Lehrproben, Prüfungen und Ausblick angeht. In der Woche vor den Schulschließungen konnten wir glücklicherweise noch unsere Kolloquien zu Pädagogik und Psycho abschließen. Aber bereits vor den Ferien sollte es mit den dritten Lehrproben losgehen, die jetzt noch anstehen. Als Reaktion auf die Situation wurde bei mir aktuell die Ankündigungsfrist für die Lehrprobe verkürzt, dafür aber auch die Anforderungen an den Entwurf entsprechend reduziert. Dennoch schweben diese irgendwie im Raum und wir fühlen uns alle unsicher, was das angeht. Ich benötige z.B. noch meine Unterstufenlehrprobe und habe aus Orga-Gründen nur Physik, sprich Natur und Technik in der Unterstufe. Das Fach läuft einstündig. Ich hatte meinen beiden potentiellen Lehrprobenklassen also jeweils 1x vor den Faschingsferien, und jeweils 2x nach den Faschingsferien. Wir haben uns also jeweils ganze 135 Minuten im Unterricht kennen gelernt. Zwischen Ostern und Pfingstferien sind max. 6 Wochen Präsenzschule, sehr wahrscheinlich weniger. Ganz ehrlich: Wie soll ich da meine Lerngruppe wirklich kennenlernen, auch wenn mir Stunden in anderen Fächern anschaue? Und gerade in Physik noch wichtiger: Wie soll ich Arbeits- und Experimentierweisen mit den Klassen einüben? Dazu bräuchte ich regelmäßige Experimentiergelegenheiten, was im Distance-Learning kaum möglich ist. Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich schaffe ich für die Schüler gerade jetzt viele Experimentiergelegenheiten, aber ich kann sie kaum beobachten und beeinflussen. Somit stellt sich in gewisser Weise die Frage, ob hier eine faire Prüfungssituation für eine klassische dritte Lehrprobe mit entsprechend hohen Ansprüchen vorliegen kann. Mich persönlich belastet dies aufgrund meiner Fächerkombination und meinen anderen Qualifikationen wenig, aber für Leute, die auf einen guten Schnitt angewiesen sind und damit um ein Einstellungsangebot kämpfen, ist die Situation nicht ganz so einfach… Hierzu kommt, dass alle Informationen was Bewerbungen und Einstellungen angeht, jetzt praktisch nur noch schriftlich zu uns gelangen. Und hier ist ja eigentlich jetzt gerade die heiße Phase. Das führt, kombiniert mit der Komplexität des Systems aus staatlichen und städtischen Schulen sowie den verschiedenen Schulformen, irgendwie dazu, dass ich mich nur bedingt gut informiert fühle.

Und damit sind wir nun bei Nummer 3, den digitalen Fachsitzungen. Die laufen relativ problemlos – mal per Videochat, mal über Forumsdiskussionen, mal über andere Aufgaben. Da gibt es nichts zu meckern, da ich hier generell Glück mit meinen Seminarlehrkräften habe. Die wissen nicht nur wovon sie reden, sondern können auch gutes und qualifiziertes Feedback geben und sind uns Referendaren gegenüber immer offen und zugewandt. Und trotzdem fehlt irgendwie der persönliche Kontakt und das Gespräch bei einem Kaffee, aber das ist einfach digital nicht zu ersetzen.
Kurz: Die Zeit ist für uns Refis spannend, sie ist interessant, sie ist eine Herausforderung und manchmal ist sie auch eine Belastung, gerade mit Blick auf Prüfung und Bewertung.

P.S.: Was mich persönlich als Referendar aktuell stört sind die unterschiedlichen Möglichkeiten, die unterschiedliche Schulen nutzen können oder dürfen. Wieso können einige Schulen Microsoft Teams oder Google Classroom nutzen und bei anderen wird es z.B. aus Datenschutzgründen abgelehnt? Die rechtlichen Grundlagen sind doch für alle gleich. Selbst bei gleichem Sachaufwandsträger finden sich diese Unterschiede. Dies ist für mich gepaart mit dem bayerischen Einstellungssystem, wo man sich für Planstellen in der Regel nicht direkt an einer spezifischen Schule bewirbt, sehr nervig. Dabei bin ich mir natürlich bewusst, dass auch diese Möglichkeiten bei weitem nicht alle Probleme aus Nummer 1 lösen.

Der 3. Ausbildungsabschnitt – Pädagogik+Psychologie-Prüfung

Bild: Matthias Kuehn, Psychologie im Studienseminar, ALP Dillingen

Bild: Matthias Kuehn, Psychologie im Studienseminar, ALP Dillingen

Der Prüfungsstress im 3. Ausbildungsabschnitt des Referendariat kommt in Bayern sehr schnell und ziemlich hart. Am ersten Tag zurück an der Seminarschule stand schon die Entscheidung an, ob man Pädagogik oder Psychologie als Schwerpunkt in der Kolloquiumsprüfung haben wollte. Entsprechend der Wahl würde man in der Prüfung in 10 Minuten einen Fall aus pädagogischer bzw- psychologischer Sicht vorstellen. Meine Wahl fiel auf Psycho (insgesamt im Seminar etwa 23x Psycho, 7x Pädagogik), da hier die Theorien für mich etwas klarer zu fassen und anzuwenden sind.
Aber am ersten Tag in der neuen, alten Seminarschulen war das gefühlt für mich noch unendlich weit weg. Das gesamte Seminar wiederzusehen war Viel spannender und schöner. Dazu ein neuer Seminarlehrer, neue Klassen und zwei private Dinge, die sowieso jegliches Schulleben überstrahlten – positiv wie negativ. Somit ging es für mich im weiteren Verlauf nur darum, die Woche möglichst gut zu überstehen und in die Faschingsferien zu kommen. Das war okay und da ja Ferien Ferien sind, habe ich entsprechend auch rein gar nichts für die Kolloquiumsprüfungen gelernt. Klar hatte ich das Lernzeugs überall dabei, nur zum Reinschauen konnte ich mich nicht motivieren. Man hätte aber auch sonst genug zu tun: Unterricht planen, Arbeitsmaterial gestalten, Sequenzpläne schreiben, Prüfungstermine suchen, Namen lernen und und und. In der ersten Woche nach den Ferien und damit auch direkt in der letzten Woche vor den Prüfungen stand dann ein Nachmittag mit Fallbesprechungen an. Das war für mich persönlich extrem hilfreich, da es mir einen guten Überblick über die Erwartungen der Prüfer und die zu lernenden Inhalte gab. Da ich am Dienstag meine Prüfung hatte und man am Vortag sowie am Prüfungstag von Unterrichtsverpflichtung befreit ist, blieb mir praktisch ein verlängertes Wochenende zum Lernen. Dies habe ich relativ intensiv genutzt, wobei die Psychologie-Lernkarten aus Dillingen und die Zusammenfassung des Schlagbauer-Buches meine primären Quellen waren. Die habe ich dann für mich weiter handschriftlich zusammengefasst, bunt angemarkert und in meinen Kopf geprügelt. Ich weiß, so sollte lernen nicht wirklich aussehen, aber das Lernen muss eben auch zur zu erwartetenden Prüfung passen und für mich hat das so gepasst. Inhaltlich ist das alles schon relativ breit und bei manchem Spezialwissen kann man schon kritisch fragen, warum man das den als Lehrkraft aus dem Stegreif wissen sollte. Trotzdem sind drei volle Lerntage ausreichend, zumindest wenn einem das Anwenden der Theorien auf die Praxis nicht sonderlich schwer fällt.
Am Prüfungstag begann meine 30-minütige Vorbereitungszeit bereits um 7.40 Uhr – für mich wirklich unchristlich und weit vor meinem persönlichen, gefühlten Leistungshoch. Der Psycho-Fall war sehr breit und auf meine Fächer zugeschnitten, sodass die Herausforderung darin lag, die verschiedenen Ebenen zu erkennen und zu priorisieren. 30 Minuten sind hierfür eher knapp, aber dann doch machbar. Wichtig beim Vorstellen des Falles ist dann eine gute Zeiteinteilung – 10 Minuten sind schnell vorbei. Es folgen jeweils 10 Minuten Prüfungsgespräch in den beiden Fächern mit allgemeinen Fragen völlig weg von dem Fall. Erfreulicherweise spielte hierbei auch der Anwendungsbezug in den eigenen Fächern eine Rolle – auch wenn teilweise schon spezielles Detailwissen gefragt war. Ja und so schnell wie die Prüfung da war, so schnell war sie dann auch schon vorbei. Direkt nach nur 5 Minuten Wartezeit bekommt man seine Note und Feedback. Und anschließend fällt wieder eine Stück Last von einem ab, da eine weiteres Vierzehntel der Prüfungsnote feststeht.
Bei mir war anschließend aber auch ziemlich der Akku leer, was sicher auf die letzte Zeit und mein Kurzzeit-Lernen zurückzuführen ist, aber trotzdem folgte eine Verrückte restliche Woche, die mit vorübergehenden Schulschließungen endete.
Doch zurück zum Pädagogik- und Psychologie Kolloquium: Hier sollte man meiner Meinung nach darüber nachdenken, ob es nicht auch weniger Begriffslernen tut und ob nicht z.B. die Fallbesprechung bzw. die Vorbereitung hierauf in irgendeiner Art materialgestützt stattfinden kann. In der Realität nutze ich auch Bücher und Artikel um Fälle zu analysieren und das weitere Vorgehen zu planen. Das würde vielleicht das Bulimie-Lernen etwas reduzieren und besser auf die Realität vorbereiten. Darüber hinaus würde das dem ein oder anderen Referendar vielleicht ein Stück von dem Druck nehmen, dem sich viele ausgesetzt sehen.
So und jetzt genieße ich noch ein wenig das gute Gefühl die Prüfung gut hinter mich gebracht zu haben und mich auf die nächsten Dinge konzentrieren zu können 🙂

Das Ende des Einsatzjahres

Irgendwie vergeht die Zeit im Einsatzjahr rasend schnell. Gefühlt gestern erst war die 2. Prüfungslehrprobe und damit der zentrale Meilenstein im Einsatzjahr und jetzt ist auch das zweite Einsatzhalbjahr schon komplett vorbei – verrückt. Aber entsprechend ist es auch Zeit ein wenig zurückzublicken auf die vergangenen 6 Monate an meiner zweiten Einsatzschule. Es war wieder eine interessante Zeit in der ich sehr intensiv mit drei Klassen arbeiten durfte. Besonders spannend war es dabei Mathe in der 7. Jahrgangsstufe parallel in zwei Klassen zu haben. So konnte man die individuellen Stärken und schwächen einzelner Klassen noch besser wahrnehmen. Zugleich bot es die Möglichkeit schnell Dinge an einer nur halb gelungenen Stunde zu verändern und die adaptierte Version direkt in einer zweiten Klasse auszuprobieren. Das empfand ich als wirklich hilfreich für mich persönlich und sowas sollte jedem Referendar ermöglicht werden. Und natürlich ist eine solche Konstellation in besonders arbeitsreichen Phasen auch eine kleine Entlastung, da man Planungen zumindest teilweise doppelt nutzen kann.
Der Physikunterricht ist für mich persönlich natürlich immer besonders spannend und hier konnte ich in diesem Halbjahr auch auf eine sehr gut ausgestattete Sammlung zurückgreifen. Zugleich habe ich mich auf das an der Schule gepflegte Konzept des Unterrichtens mit einem Skript eingelassen. Ich gebe zu, ich bis bisher noch nicht richtig warm geworden damit, was aber nicht unbedingt am Skript liegen muss, sondern auch damit zu tun haben könnte, dass ich persönlich ein solches Setting nur bei digitalerem Arbeiten wirklich sinnvoll fände. Zu schätzen gelernt habe ich in jedem Fall die tolle Zusammenarbeit mit den Kollegen, wo Materialien einfach und unkompliziert geteilt werden und man oft gemeinsam an Versuchsaufbauten bastelt und optimiert. Das erhöht den Spaß ganz eindeutig!
Ich hatte glücklicherweise zwei sehr offene, engagierte Betreuungslehrkräfte, von denen ich insbesondere bei der Erstellung von Exen und Schulaufgaben und bei den Korrekturen viel Unterstützung erfahren habe. Und trotzdem muss ich als Fazit aus dem Einsatzjahr mitnehmen, dass mir persönlich hier der Ausbildungscharakter ganz eindeutig zu kurz kommt. Dies ist übrigens nicht als Kritik an den Betreuungslehrkräften zu sehen, sondern an den Strukturen. Die Betreuungslehrkräfte investieren viel Zeit in die Besprechung von Exen und Schulaufgaben und eine entsprechende Nachkontrolle der Korrekturen, ohne dafür wirklich was zu bekommen. Grundsätzlich sind im Einsatzjahr im Prinzip keinerlei Hospitationen bei anderen Lehrkräften verpflichtend vorgesehen, keinerlei Projekte, keinerlei Teamwork. Nichts muss irgendwie gemacht werden, sondern als Referendar muss man praktisch einfach im Schulalltag alleine und selbstständig bei 17 Unterrichtsstunden überleben. Das ist meiner Einschätzung nach keine zielgerichtete Ausbildung, sondern weitgehend einfach nur der Wurf ins lauwarme Wasser (man hatte ja vorher ein Seminarhalbjahr). Und jetzt zurück am Seminar sollen wir praktisch schon fertige, mehr oder weniger perfekte Lehrkräfte sein – ich fürchte die Rechnung geht nur bei einigen Referendaren auf. Aus meiner Sicht sollte im Einsatzjahr mehr Wert auf ausbildende Experimente gelegt werden. So könnte man z.B. zumindest für einzelne Stunden Lehrtandems bilden, feste Unterrichtshospitationen einplanen oder auch mal die Durchführung von Projekten einfordern und unterstützen. Der Horizont der Referendare muss im Einsatzjahr deutlich erweitert werden – wenn man aber nur damit kämpft 17 neue Stunden pro Woche von Null an zu planen, dann verfällt man relativ schnell in 0815-Standardunterricht, der auch mal gut ist, aber auf Dauer den Horizont kaum erweitert, sondern eher einengt.
Zum Abschluss noch was positives zum Einsatzjahr: Man fühlt sich hier echt als wirklicher, voller Teil des Kollegiums, quatscht mit den Kollegen über Gott und die Welt, lacht gemeinsam, unterstützt sich gegenseitig und kotzt sich auch einfach mal beim anderen aus, wenn es gerade zu viel wird. Das macht Lust auf die Zeit nach dem Referendariat. Und für das Lehrerego gibt es grundsätzlich wohl kaum was besseres, als eine Schule zu verlassen. Man bekommt so viele Komplimente von Klassen, Schülern und Kollegen, dass tut der Lehrerseele ziemlich gut. Und trotzdem ist das Abschiednehmen auch irgendwie schwer, denn man hat eben auch Klassen lieb gewonnen, arbeitet gerne mit ihnen und kann jetzt eben nicht mehr mit einem Lächeln in diese Klassen gehen, weil man wieder an einer anderen Schule ist und neue Klassen unterrichtet und neue Schüler kennenlernen muss und kennenlernt.
So, und morgen geht es jetzt wieder zurück an die Seminarschule – bei mir auch mit einem neuen Seminarlehrer. Ich freu mich riesig mein tolles Seminar wieder zu sehen, ich freue mich weniger, dass dann schon sehr bald die ersten Prüfungen anstehen, und ich bin sehr gespannt auf meine neuen Klassen. Und doch bestimmen gerade andere, weit wichtigere Dinge mein Leben, sodass es in der einen Woche bis zu den Faschingsferien darum geht, möglichst gut zu überleben und den ersten Eindruck nicht zu sehr in den Sand zu setzen. Aber auch Lehrer haben eben ein Leben neben der Schule mit allen Höhen und Tiefen und dieses Leben benötigt manchmal eben auch Aufmerksamkeit.

Die 2. Prüfungslehrprobe

Im Laufe des Einsatzjahres gibt es zwei große Punkte, die in Bayern auf der to-do-Liste des Referendariats abzuhaken sind: die schriftliche Hausarbeit und die 2. Prüfungslehrprobe. In welcher Reihenfolge man das ganze macht, bleibt einem meist selbst überlassen. Ich habe mich als Referendar in einem „Sommerseminar“ (Beginn im September), dazu entschieden zunächst am Ende des ersten Einsatzhalbjahres die Unterrichtsreihe für die Hausarbeit durchzuführen, sodass ich diese in den Sommerferien schreiben konnte bzw. zumindest in der Theorie dort hätte schreiben können. Das nimmt irgendwie zumindest ein klein bisschen den Stress aus dem Schreib- und Reflektionsprozess, da man diesen nicht neben der normalen Unterrichtsvorbereitung usw. durchleben muss.

Entsprechend steht dann aber bald nach Beginn des zweiten Einsatzhalbjahres, was wie bei mir wieder mit einem Schulwechsel verbunden war, die zweite Lehrprobe an. Erfreulicherweise kann man hier (zumindest war es bei mir so) stark Einfluss darauf nehmen, in welchem Fach und mit welcher Klasse man Lehrprobe macht. Aber trotzdem: kaum hat man sich mit der Klasse, der Schule und den örtlichen Abläufen vertraut gemacht, trudelt auch schon das Thema ein. Entsprechend ist es wichtig, dass der Stoffverteilungsplan schon irgendwie passt und man alle ausfallenden Stunden usw. im Plan registriert hat. Die Vorbereitung auf eine Lehrprobe entspricht praktische der, die man auch bei der ersten Lehrprobe durchlaufen hat. 3 Wochen vorher bekommt man das Thema, dann erstmal Ideen sammeln und schauen, was man vorher im Unterricht noch so alles behandeln will/muss. Anschließend Stundenideen skizzieren, Varianten gegeneinander abwägen und sich dann für irgendeinen Weg entscheiden. Die Begründungen müssen dabei natürlich irgendwie im Lehrprobenentwurf dokumentiert werden. Dabei ist alles im Prinzip so, wie man es in der ersten Lehrprobe auch erlebt hat, nur dass man nebenher deutlich mehr Unterricht zu erledigen hat. Korrekturen sollte man wenn möglich in dem Zeitfenster vermeiden.

Aber genug der schlauen Ratschläge. Warum ich den Eintrag hier eigentlich schreibe ist, dass ich die zweite Prüfungslehrprobe ganz anders wahrgenommen und erlebt habe als die erste. Das liegt vermutlich daran, dass man Einsatzreferendar ist und damit praktisch echt zum ganz normalen Kollegium zählt und zusätzlich noch etwas „Welpenschutz“ genießt. Das heißt alle drücken dir bei der Lehrprobe die Daumen, fragen, ob sie dich irgendwie unterstützen können und warten gemeinsam mit dir auf die Bewertung. Bei der ersten Prüfungslehrprobe am Seminar ist es irgendwie das Seminar gegen jede einzelne Lehrprobe, wobei viele eben auch immer gerade mit ihrer eigenen Lehrprobe beschäftigt sind. Im Einsatz fühlte es sich so an wie die ganze Schule gegen die eine Lehrprobe. Irgendwie sehr angenehm und entlastend. Vermutlich trägt dazu aber auch bei, dass Lehrproben an meiner aktuellen Schule als Termin in der Freitagsinfo genannt werden und auf dem Vertretungsplan stehen, sodass wirklich auch jeder Bescheid weiß.

Und das beste an der zweiten Prüfungslehrprobe ist, dass wenn sie vorbei ist, das Einsatzjahr auch schon praktisch gelaufen ist und man sich wirklich Zeit nehmen kann mal neue, kreative oder auch verrückte Dinge in seinem Unterricht auszuprobieren. Und das werde ich jetzt sicher in den nächsten Wochen tun, bevor es dann im Februar zurück an die Seminarschule geht. 🙂

Hier jetzt auch der zugehörige Lehrprobenentwurf ohne personenbezogene Daten: